“Among Sisters” – The Making of a Feminist Reformation Drama

Anke von Claer-Schaar

Title page of the play “Schwestern unter sich”

Title page of the play “Schwestern unter sich” by Anke von Claer-Schaar

In June 2017, I was asked to write a theatre piece on the Reformation – a challenging task since the for the quincentenary was only months away! Coming from a background in media studies and then having studied for a degree in “Feminist Theology” in a programme run by the Lutheran Church of Hanover, I was clear that I wanted to focus on the women of the Reformation beyond Katharina von Bora. I read up on women such as Katharina Melanchthon, Katharina Zeller, Ivette Calvin, and Wibrandis Capito but was stuck for an angle to take – when I read an article in Die ZEIT about Lyndal Roper’s new take on the Reformation as “body history”, discussing topics such as the role of the devil, depression, beer, and digestion. This changed my perception of the period. I got in contact with Lyndal Roper herself who provided a copy of her biography and we stayed in contact.
Writing and staging “Schwestern unter sich” was an exciting process. After the idea was finally formed, I wrote the play in three days, one act a day. That left six weeks for finding the all-female cast and developing an understanding of the different roles in it: four very different spouses of the Reformers, two servant girls – and Alice Schwarzer ,time-travelling among them! Katharina Melanchthon (who in the play is the hostess of the alternative “Table Talk”), Katharina Zell, Idelette Calvin, and Wibrandis Capito present four different temperaments and four different kinds of engagement with theology, life, food as well as sex and the devil – all again very different from a 20th century feminist perspective by Alice Schwarzer. You can hear the actresses who played the two Catherines and Alice Schwarzer talk about why they chose their roles and what attracted them to the whole project in the interview embedded in the end.

Zoom meeting screenshot

Conversation on the influence of Lyndal Roper’s (bottom centre) new take on the body concept of the Reformation on the play with the author and director Anke von Claer-Schaar (top left), Margret Polacek (Katharina Melanchthon, top right), Sigrid Meyer (Katharina Zell, bottom right) und Irmtraut Hasselbusch (Alice Schwarzer, bottom left), chaired by Henrike Lähnemann (top centre).

The play was staged – quite appropriately – in the local pub to great acclaim. It was a real eye-opener onto a much more physical side of the quincentenary. With its inspiring message of female solidarity, the play ended with everybody joining in singing the message of peace sung to a Jewish tune, transposing the Reformation as singing movement for a 21st century audience (and subverting the anti-Jewish tendencies in Luther’s later writing).

photo of stage production

A female counterpiece to Martin Luther’s “Tischgespräche”: the wives of the Reformers debate life, food, body, and the devil

Watch here the recording of the second performance on 23 February 2018 at the Inn “Conrades” in Leese (Lower Saxony).

Video of the play:

Video of the interview: 

Backstage at a Medieval Inn

Following the interview about her drama “Schwestern unter sich”, Anke von Claer-Schaar spoke with the inn keepers at Conrades, the historic pub where used as performance venue. Meet the local sisters keeping the hospitality tradition alive and train your German!

Das Backsteinhaus des Gasthauses ‚Conrades‘ in Leese strahlt mir entgegen als ich von der Loccumerstrasse auf den Parkplatz neben das Haus fahre. Die hellen Backsteine trotzen dem Grau des Himmels und dem Nieselregen. „Typisch Niedersachsen, das Haus und das Wetter.“, denke ich so als ich an die weiße Gasthaustür klopfe, denn wie jede Gaststätte ist auch ‚Conrades‘ während des Lockdowns im Januar 2021 geschlossen.

Elkes charakteristisches ‚Herzlich-Willkommen-Lächeln‘ überstrahlt ihre Maske. „Komm schnell rein.“, begrüßt sie mich. Ich schüttele mich wie ein Hund nur mit Misserfolg, denn das Nass bleibt in meinen Kleidern wie auch die Regentropfen auf meinen Brillengläsern verharren. Mit energischem Schritt geht Elke vor mir in die Gaststube. Ihre Schwester Ute steht mit einer Thermoskanne hinter der dunklen Holz-Theke. „Moin, Anke. Setz dich an den großen Tisch. Du magst doch einen Kaffee?“ Ich nehme die durch die Maske beschlagene Brille ab. „Moin. Gerne doch.“ Wir gruppieren uns in gebührendem Abstand nach den Corona-Hygieneregeln um den Tisch. Aus den weihnachtlich geschmückten Tannenzweigen ragt eine brennende Kerze empor, die die Gemütlichkeit der Gaststube beharrlich in Szene setzt.

Ute and Elke Conrades

Wir haben uns privat verabredet, weil ich die Geschichte des Gasthauses ‚Conrades‘ kennenlernen möchte. Es liegen schon Bilder und das Buch der Leeser Chronik von 1183-1983 auf dem Tisch. „Unser Gasthaus gab es schon im Mittelalter. Es existierte also schon zu der Zeit in der eurer Theaterstück ‚Schwestern unter sich‘ spielt.“, erzählt Elke. Das Haus mit Grundstück wurde als Kötnerhof registriert. Kötner bezeichnet die Höfeklasse mit dem Gründungsjahr. Die unzweifelhaften Kötnerhöfe wurden um ca. 1100 gegründet. Sie zeichneten sich durch geringen Besitz an alten Ländereien aus. Die Kötner waren keine reinen Bauern, sondern betrieben ein Handwerk oder eine andere Beschäftigung. „Ùnser Hofname war ‚Kopmanns‘.“, erklärt Ute, „Unsere Vorfahren waren also Kaufleute – auf Plattdeutsch – Koopmann.“ Die Familien der Kötner trugen als Familiennamen ihre Berufsbezeichnung, diese wurden auch an Stelle des erst später gebräuchlichen Familiennamens zur Benennung des Kötnerhofes verwendet.

„Schon 1581 wurde neben Copmann unser Familienname Conrades eingetragen.“, erklärt Elke stolz. „Registriert wurde der Familienname weil der Graf von Hoya der Familie diese benannte Hofstelle für besondere Verdienste geschenkt hat.“ Die Vorfahren erweiterten ihr Geschäft als Kaufleute um eine Wirtschaft bis sie das Kaufmannsdasein ganz eingestellt haben. 1868 wurde dann ein neues Gasthaus auf der schon um 1100 gegründeten Hofstelle gebaut. „Einige Gebäudeteile sind noch vom vorherigen Gebäude erhalten geblieben, wie die Küche, der Bereich der heutigen  Sanitäreinrichtungen und ein weiterer Raum.“, erzählt Ute.

Zum neuen Gebäude gehörte ein großer Gesellschaftssaal mit Bühne. Sie zeigen mir eine Postkarte mit dem geschmückten Saal zu Kaisers Geburtstag.

Ute schenkt mir in ihrer fürsorglichen Art Kaffee nach als ich frage, ob denn schon damals auf der Bühne Theater gespielt wurde. „Theaterspielen hat Tradition in Leese.“, berichtet Elke, „Es ist nur für einige Jahrzehnte eingeschlafen bis ihr mit eurem Theaterstück gekommen seid.“ Von Männern wurde 1877 ein Kriegerverein gegründet mit einer Gruppe, die sich besonders dem Theaterspielen widmete. Elke schlägt die Chronik auf und zeigt mir ein Bild der Theatergruppe. Ich entdecke auf dem Bild zwischen all den Männern Frauen. „Frauen im reinen Männer-Verein. Das ist ja mal was.“, sage ich und wir drei müssen gemeinsam lachen, „Das ist zwar noch kein Anzeichen für eine wachsende Emanzipation der Frauen, aber immerhin nehmen diese Frauen öffentlich am gesellschaftlichen Leben teil.“

Die Schwestern Elke und Ute Conrades haben 1979 das Gasthaus von ihren Eltern übernommen. Tatkräftig starteten sie in ihre gemeinsame Zukunft als Eigentümerinnen 1981 mit dem Umbau von Saal und Bühne. „Das ist die Bühne auf der ihr gespielt habt. Auf neuzeitlichen Brettern aber auf historischem Boden.“ Das beeindruckt mich sehr. Wir plaudern noch über die eventuellen Ereignisse in der Geschichte des Gasthauses und das Vergangene und Zukünftige unserer eigenen Lebensspanne. Eben halt ein Gespräch unter Schwestern.

Wir verabschieden uns mit Abstand und Herzlichkeit. Das Grau und der Nieselregen empfangen mich gleich nach dem Schließen der Gasthaustür. „Es hat sich nichts verändert.“, denke ich so beim Aufschauen in den Himmel mit der Hoffnung auf einige Schneeflocken, „Auch nicht der Name. Man geht heute noch zu Kopmanns, wie die Leute sagen, zu den beiden Conrades Schwestern und es lohnt sich.“

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